Bin ich bereit für das Auslandssemester?



Hallöchen, ich bin Lea und das ist meine #afterschoolchallenge.

Ich studiere zurzeit Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule in Münster. Mein vor mir liegendes fünftes Semester ist ein Praxissemester. Ich habe mit Hilfe von intombi und Engagement Global, die Möglichkeit, dieses Praxissemester im Ausland zu absolvieren. Wie einige womöglich schon wissen, unterstützt intombi das Mädchenwohnheim „Ons Plek“ in Kapstadt, Südafrika. Dort werde ich ab September drei Monate lang mitarbeiten. 

Im Rahmen des Praktikums habe ich eine Vor- und Nachbereitung bei intombi in Köln. Hier bekomme ich einen Einblick in die Arbeit einer NGO (Nichtregierungsorganisation). Ich habe die Möglichkeit, gemeinsam mit dem intombi-Team Blogartikel zu planen, Projekte mitzugestalten, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und Fundraising-Aktionen kennenzulernen. Durch die Arbeit bei intombi bekomme ich außerdem einen ersten Eindruck von dem Leben der südafrikanischen Mädchen und der Arbeit bei „Ons Plek“.


Vor Heimweh habe ich keine Angst

Mit der Entscheidung, mein Praktikum in einem Land des Globalen Südens (früher sagte man noch Entwicklungs- bzw. Schwellenland) durchzuführen, habe ich mich schwer getan. Dabei stehen bei mir weniger die klassischen Ängste wie Heimweh, die Furcht davor einsam zu sein oder keine Freunde zu finden und eine fremde Sprache zu erlernen, im Vordergrund. Denn ich habe im Rahmen meiner Ausbildung zur Erzieherin schon ein Jahr in London verbracht und konnte mit diesen „Problemen“ ganz gut umgehen.



Meine Ängste und Sorgen sind individueller und länderspezifisch:

  • Werde ich mit dem anfänglichen Kulturschock klarkommen?
  • Kann ich mit den traumatischen Erfahrungen der Mädchen umgehen und gelingt es mir, die Arbeit „nicht mit nach Hause zu nehmen“? 
  • Wie werden sich die Erziehungsstile unterscheiden und schaffe ich selbst es, mit der notwendigen und vor Ort anzutreffenden Autorität auftreten? 
  • Bin ich auf die Armut vor Ort vorbereitet? 

So schaffe ich es ruhig zu bleiben

Da ich generell eher zu den Menschen gehöre, die sich zu viele Gedanken machen, versuche ich mir selbst die Ängste durch eine gute Vorbereitung zu nehmen. Ich habe bereits ein Zimmer und die Flüge gebucht, Kontakt zur Einrichtung aufgenommen, meine Impfungen abgeschlossen und letzte Besorgungen gemacht. Außerdem habe ich mir über intombi und auch durch Recherche im Internet erste Informationen über das Heim und Südafrika eingeholt.


Nach der Reise nach Kapstadt traf Alex eine wichtige Entscheidung

“Ich will unbedingt nach Kapstadt! Das stand vor 12 Jahren für mich fest. Weil das Kap der guten Hoffnung nach Freiheit anhörte, weil Südafrika mit der Apartheid eine unglaubliche Geschichte hinter sich hat, weil die Schere zwischen Arm und Reich fast nirgendwo so groß ist, wie hier. All das waren Gründe, warum ich hier mein Auslandspraktikum verbringen wollte. Genau wie Lea bin ich für ein Praktikum ins Mädchenheim “Ons Plek” nach Kapstadt geflogen. Das ist inzwischen ganz schön lange her und es ist einiges passiert in der Zwischenzeit: Wir haben intombi e.V. (intombi = Mädchen auf der südafrikanischen Sprache Xhosa) gegründet und drei weitere Praktikantinnen – Kathi, Lisa, Cora – waren in den letzten drei Jahren vor Ort. Lea wird also die vierte intombi-Praktikantin vor Ort sein.



2 Tipps für alle, denen ein Auslandsaufenthalt bevor steht

  1. Informiert euch über Land und Leute, macht euch aber vorher nicht verrückt. Lasst ein paar Dinge auch einfach auf euch zu kommen, ihr müsst vorher nicht alles wissen – das geht ja auch gar nicht. Vertraut in euch selbst, dass ihr auf Situationen vor Ort in vielen Fällen sicher auch spontan und intuitiv das richtige machen werdet. Seid einfach reflektiert und bewegt euch ganz bewusst durch die zunächst unbekannte, neue Umgebung.
  2. Tauscht euch aus mit Ehemaligen, aber übertragt nicht alles auf euch selbst. Jeder Mensch ist anders, hat eigene Bedürfnisse, individuelle Schwächen und Stärken. Daher sind viele Erfahrungen nicht übertragbar. Was für Ehemalige eine Schwierigkeit war, schafft ihr vielleicht mit Links – oder andersrum. 😉 Daher reflektiert die gehörten Erfahrungen gut und übertragt nicht alles automatisch auf euch.

Liebe Lea, ich wünsche dir eine tolle Zeit in Kapstadt! Es wird sicher vieles Neues auf dich zu kommen, es wird sicher auch mal stressig und nicht selten herausfordernd. Ganz bestimmt wird es aber auch lustig, beeindruckend und vieles unvergesslich. Aber wie gesagt, du wirst deine eigenen Erfahrungen sammeln und die sind immer das Wertvollste.” Alex, 33 Jahre aus Köln

Meine Motivation besteht unteranderem darin, mehr Bewusstsein zu bekommen

Ich möchte die kulturellen Unterschiede der beiden Länder erleben. Zudem würde ich gerne ein neues Handlungsfeld – die Heimerziehung – kennenlernen. Dabei interessiert mich besonders die geschlechtsspezifische Arbeit mit den Mädchen. Doch vor allem hoffe ich, durch die Arbeit und das Leben in einem Land des Globalen Südens, die Privilegien die ich in Deutschland habe mehr wahrzunehmen, zu schätzen und zu reflektieren.


Professionelle Unterstützung bekomme ich von meiner Hochschule

Prof. Dr. Johannes Nathschläger (Internationalisierungsbeauftragter) und Frau Regine Müller (Mitarbeiterin im International Office) haben schon viele Studierende der KatHo Münster ins Ausland begleitet. Ihre Tipps sind:

  1. Unerlässliche Voraussetzung sind grundsätzlich viel Vorfreude, Neugierde und Interesse am Anderen, sowie Mut, sich auf Neues einzulassen.
  2. Hilfreiche Voraussetzungen sind Informationen über kulturelle Gepflogenheiten, politische Hintergründe und aktuelle Themen im Land.
  3. Praktische Voraussetzungen sind gute bis sehr gute Sprachkenntnisse – ggf. auch durch einen Sprachkurs über LinCA vorab zu gewährleisten.
  4. Ein Praktikum, sowie Fragen zu globalen Verantwortlichkeiten zurück ins Studium und somit in einen Diskurs zur internationalen Soziale Arbeit zu transportieren.

Auslandssemester Checkliste:

  • Praktikumsstelle suchen
  • Aktuellen Reisepass oder Personalausweis beantragen
  • Visum oder Arbeitserlaubnis beantragen
  • Flüge buchen
  • Wohnung oder Wg-Zimmer suchen
  • Auslandsversicherung abschließen
  • Gesundheitscheck und Impfungen

Meine To Do-Liste ist abgehackt – jetzt startet die Vorfreude

Gute Vorbereitungen, Daten und Fakten minimieren erfahrungsgemäß meine Bedenken und Sorgen und bisher hat dieser Umgang damit auch ganz gut funktioniert. Jetzt, kurz vor meiner Abreise, versuche ich (auch wenn es mir nicht gerade leicht fällt) entspannt zu bleiben, durchzuatmen und den Auslandsaufenthalt auf mich zukommen zu lassen.

Dabei fühle ich mich in guter Gesellschaft, denn bekanntlich geht es den Meisten vor einem solchen Abenteuer, sehr ähnlich und viele Sorgen und Ängste sind letztlich völlig unbegründet.


Mein #girlsforgirls Tipp

Lieber etwas riskieren, als ewig bereuen, sich nicht getraut zu haben.

Kannst du dir vorstellen ein Praktikum im Ausland zu machen? Wie ist es bei dir mit Heimweh?




Wie sehr hat dir der Artikel geholfen?

Gib uns deine Herzen.

Dir hat der Artikel gefallen...

...dann folg uns doch auf Social Media!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aktuelle Beiträge

Laura wurde als Architektin geboren

Ich bin Laura und studiere im dritten Semester Architektur an der Fachhochschule in Bochum. Das ist meine #afterschoolstory. Architektur zu studieren war ehrlich gesagt nicht mein Kindheitstraum. Aber ich habe mich schon immer vor allem für alte Gebäude und Architektur interessiert. Da mein Vater selbstständiger Architekt ist bin ich mit diesem Beruf und allem, was … Continued

 

Justine wagt den Austausch

Nach meinem Schulabschluss habe ich angefangen Wirtschaft und Verwaltung zu studieren. Bald hab ich aber gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist. Daraufhin habe ich beschlossen das Studium abzubrechen und bin für zwei Jahre nach Südafrika gegangen und habe dort als Aupair gearbeitet. Nach den zwei Jahren bin ich zurück nach Uganda und habe ehrenamtlich in der Organisation Uganda Pioneers Assosiation (UPA) gearbeitet. Dort habe ich eine Frau aus Deutschland kennengelernt, die mir von IN VIA und einem möglichen Praktikum im Mädchenheim erzählt hat.