Mein Praxissemester im Jugendamt

Hallo, ich bin Theresa, 23 Jahre alt und studiere Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule in Köln.

Nach einem 20- tägigen Praktikum im 2. Semester folgte 3 Semester später ein 80- tägiges Praxissemester, welches ich im Jugendamt der Stadt Neuss im Sachgebiet der Jugendförderung und der Jugendhilfe im Strafverfahren gemacht habe. Die ersten drei Monate habe ich in der Jugendförderung verbracht, eine eher unbekannte aber wie ich finde sehr wichtige Abteilung des Jugendamtes.

Die Aufgaben liegen darin, das Sommerferienprogramm der Stadt zu planen bzw. publik zu machen. Meine Aufgabe war beispielsweise das Auswerten der Veranstaltungen in den vergangenen Sommerferien im Hinblick auf die Teilnehmerzahlen, Altersstruktur usw. Außerdem plant die Jugendförderung Spielplätze, befragt die in der Umgebung liegenden Kinder beispielsweise in einer Kinderversammlung bei der nur Kinder ein Rederecht haben, was sie sich auf dem Spielplatz oder auch in ihrem Stadtteil wünschen. Bei Jugendschutzanfragen, das heißt, wenn ein Kind arbeiten möchte, braucht es eine Genehmigung, damit das Wohl dieses Kindes gesichert ist, und man sicher gehen kann, dass es diese Arbeit freiwillig machen möchte. – Diese Anfragen bearbeitet ebenfalls die Jugendförderung.

Viel Büroarbeit…

Die der Stadt gehörenden Kinder- und Jugendeinrichtungen arbeiten mit der Jugendförderung zusammen, werden von dieser betreut und können sich bei Fragen jederzeit an diese wenden. Den Anforderungen der Politik, unter anderem in Bezug auf die oben genannten Themen, muss die Jugendförderung entsprechen und bearbeiten.

Anfangs bin ich nicht davon ausgegangen, dass die Büroarbeit so sehr überwiegt, aber es ist tatsächlich so. Neben der vielen Zeit, die ich im Büro verbracht habe, habe ich jedoch auch viele coole Dinge miterleben dürfen, wie ein Kinderfest, das See.You.Festival, einige Jugendhilfeausschüsse, viele Arbeitskreise mit unterschiedlichen Themen, der Austausch zwischen den Kinder- und Jugendeinrichtungen der Stadt in gemeinsamen Treffen und und und…

Arbeiten in der Jugendhilfe im Strafverfahren

Das Praktikum hat mir gezeigt, wie viel Arbeit „hinter den Kulissen“ ansteht, aber auch, dass so ein großer Teil Büroarbeit einfach nicht meins ist. Deswegen habe ich mich umso mehr auf die Zeit in der Jugendhilfe im Strafverfahren gefreut.

Dort werden straffällige Jugendliche und Heranwachsende im Alter zwischen 14 und 21 Jahren vor ihren Gerichtsverhandlungen oder auch danach durch Betreuungsweisungen betreut. Die Betroffenen können freiwillig kommen, es ist jedoch empfehlenswert, da der zuständige Sozialarbeiter/ die zuständige Sozialarbeiterin nach einem Gespräch über die Entwicklung und Vergangenheit des Angeklagten berichten kann und die Strafe somit je nachdem milder ausfallen kann.

Ein Fall, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist…

…handelt von einem Mädchen, das sich selbst als Junge definiert. Hierdurch hat er einige Herausforderungen zu bewältigen. Außerdem gab es in der Familie einige Schwierigkeiten, weshalb er in einer Wohngruppe lebt.

Zu einer Gerichtsverhandlung musste er, weil er immer wieder kleine Strafdelikte begangen hat. Hierfür hat er schließlich vom Gericht Arbeitsstunden auferlegt bekommen. Mit den Einrichtungen, in denen er die Arbeitsstunden ableisten soll, traten immer wieder Schwierigkeiten auf, weil er die Arbeit verweigerte. Daher musste er irgendwann schließlich in einen Jugendarrest.

Auch wertvoll: Wissen, was man nicht will

Die Zeit dort war super spannend für mich. Ich konnte fast täglich mit zu Gericht (meist das Amtsgericht) gehen und die Verhandlungen verfolgen. Einmal durfte ich sogar mit zum Oberlandesgericht in Düsseldorf, das war auch eine super interessante Erfahrung! Zusätzlich dazu lagen meine Aufgaben darin, die im zuvor geführten Gespräch erfahrenen Inhalte in einem kurzen Bericht zusammenzufassen, Akten anzulegen und den Kollegen beim Erzählen über ihre spannenden Fälle zuzuhören. Denn tatsächlich haben zwei meiner fünf Kollegen seit Ende ihres Studiums bis heute mehr oder weniger kurz vor ihrer Rente in der JuHis gearbeitet.

Ich hatte zu Beginn meines Praktikums keine Ahnung was mich erwartet, da ich dort eher zufällig reingerutscht bin. Zum Schluss habe ich rausgefunden, was mir gefällt, aber auch was mir nicht so gut gefällt und in welchem Bereich ich nicht arbeiten möchte. Und das ist mindestens eine genauso wichtige Erfahrung für mich gewesen, wie herauszufinden, welcher Bereich mir zusagt! Denn ich bin der Meinung, jede Erfahrung, ob negativ oder positiv, bringt ein Stück mehr Orientierung in der großen Welt voller Möglichkeiten!

Hast du schon mal ein Praktikum gemacht, das dich geprägt hat?

Eure Theresa




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