Wie sieht Ehrenamt in Belarus aus?

Der Wunsch etwas zu verändern: Beispiele zu Ehrenamt in Belarus


intombi Ehrenamtlerin Anna aus Belarus

In Belarus ist die Idee von Ehrenamt noch jung. Viele ältere Generationen engagieren sich nicht ehrenamtlich. Auch meine Eltern haben sich nicht ehrenamtlich engagiert.

Seit ein paar Jahren verändert sich das. Ehrenamt ist ein Trend und immer mehr junge Menschen engagieren sich. Das heißt nicht, dass die ältere Generation weniger solidarisch oder nicht hilfsbereit ist. Sie helfen gerne ihren Freunden, Verwandten und Nachbarn. Sie tun es von Herzen oder aus Höflichkeit aber nicht im Rahmen eines Engagements.

Für ein Ehrenamt brauchst du mehr als nur Hilfsbereitschaft. Der Wunsch etwas zu verändern und die Initiative zu ergreifen sind die entscheidenden Elemente. Die eigene Freizeit spielt dabei auch eine wichtige Rolle. In Belarus ist Ehrenamt ein wertvoller Weg die Freizeit zu gestalten, ähnlich zu einem Hobby.


Kennst du Belarus? In Deutschland wird noch oft von Weißrussland gesprochen, was aber von vielen Belarusen nicht gerne gehört wird. Belarus liegt neben Russland, der Ukraine, Polen, Litauen und Lettland. Die Hauptstadt heißt Minsk.

Das Land gehört zu den GUS Ländern und wurde erst 1991 durch die Auflösung der Sowjetunion unabhängig. Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ist eine regionale internationale Organisation, in der sich verschiedene Nachfolgestaaten der Sowjetunion zusammengeschlossen haben. Die ehem. Sowjetunion hat noch einen starken Einfluss auf die Mentalität und Kultur der Menschen. Über die Seite vom Auswärtigen Amt kannst du mehr über Belarus lesen: https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/belarus-node


Das fehlt häufig in der älteren Generation. Sie sind es gewohnt viel zu arbeiten und ihre Freizeit mit Haushaltsarbeit, Kochen und Kindererziehung zu verbringen. Viele in dieser Generation leben im hier-und-jetzt und setzen sich nur mit ihren aktuellen Problemen auseinander. Während ich immer wieder höre, dass viele Ehrenamt als gut und nützlich einschätzen, wollen sie selbst nicht ihre Ressourcen, Energie, Kräfte und Zeit in Ehrenamt investieren.

Für die meisten Jugendliche und junge Erwachsene ist das Leben mehr als Arbeit und Familie. Ich denke, sie wollen Selbstentwicklung, Vergnügen und mehr Freizeit. Deshalb gewinnt Ehrenamt an Popularität. Leider sind nur wenige ehrenamtlich unterwegs (reliefweb.int). Aber die Zahl der Menschen, denen Ehrenamt wichtig ist, wächst weiter.


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Was denkst du? Wie sieht Engagement in anderen Ländern eigentlich aus? Ich bin Anna, ich lebe in Minsk, Belarus und engagier mich ehrenamtlich bei intombi. Heute erzähle ich dir, wie Ehrenamt in Belarus aussieht und was mich dazu bewegt hat mich ehrenamtlich zu engagieren. 

1. Staatlich oder auf eigene Faust? So findest du in Belarus dein Ehrenamt

Der Zugang zu Ehrenamt in Belarus ist nicht sehr formal. Es gibt meistens keine Formulare und keine Verträge. Nur der Kontakt zu den Organisator*innen zählt. Den Kontakt findest du online über deren Webseiten oder Instagram Seiten. Unis und Schulen sind auch Orte, wo du ein passendes Ehrenamt finden kannst. Hier treffen sich die Gruppen, die sich für unterschiedliche Themen engagieren.

Manchmal wird Ehrenamt auch vom Staat initiiert und/oder unterstützt, insbesondere Sportveranstaltungen, Konferenzen, Konzerte und Events. Die Infos zu den Veranstaltungen kann man in Chats und Gruppen in Messenger Diensten wie beispielsweise auf Telegramm oder VK, eine Online Plattform wie Facebook, finden. Auch in Unis werden die Studenten hierzu benachrichtigt.

Andere Ehrenämter werden selbst initiiert. Insbesonders Themen, wie Feminismus und LGBTQ+, werden nicht vom Staat gefördert. Die Initiativen werden daher von den Ehrenamtlichen selbst auf die Beine gestellt.


2. Die bunten und diverse Arten von Ehrenamt in Belarus

Du kannst auch bei Events, Konzerten, Konferenzen und Sportveranstaltungen ehrenamtlich tätig sein. Zu den typischen Aufgaben gehören: die Gäste zu empfangen und anzumelden, die Sprecher:innen zu begleiten, Auskünfte zu geben, Geschenke zu verteilen und als Animateuren zu arbeiten. 

Ein paar Freiwilligengruppen findest du an den Unis und Schulen. Die Freiwilligengruppen gestalten unterschiedliche Events und Projekte. Als Sprach-Studentin, engagiert man sich öfter als Dolmetscher*in und Übersetzer*in. Was die Freiwilligengruppen so unternehmen sieht unterschiedlich aus.

Die diversen Freiwilligengruppen:

Es gibt Ehrenamtler:innen, die den ausländischen Studierenden an der Uni helfen. Sie beantworten ihre Fragen, zeigen ihnen die Stadt, helfen ihnen beim Lernen der Sprache und besuchen mit ihnen die kulturellen Besonderheiten des Landes. Hier findest du so eine Gruppe als Beispiel auf Instagram: @without.borders_mslu

Andere besuchen Kinderheime und setzen sich für Waisenkinder ein. Sie spielen mit ihnen, machen ihnen Geschenke und organisieren kleine Aufführungen und lustige Feiern. Andere Ehrenamtler:innen helfen in Tierheimen aus. Sie gehen mit den Hunden spazieren, schenken den obdachlosen Katzen und Hunden Liebe und versorgen sie mit Essen.

Dann gibt es auch Öko-Initiativen. Die Teilnehmer fordern alle Studenten auf ihren Müll zu sammeln und richtig wegzuschmeißen. Sie organisieren manchmal Wettbewerbe, wer den meisten Plastik sammeln kann. Sie entfernen den Müll in den Parks, sammeln Altpapier und Plastik und sprechen über bewussten Konsum und umweltfreundliches Leben. Hier findest du so eine Gruppe: @green_mslu

Andere belarussischen Jugendliche machen ein ehrenamtliches Jahr im Ausland.


“Niemand kann sich besser für Mädchen und junge Frauen einsetzen als Mädchen und junge Frauen selbst”

Anna

3. Uns jungen Frauen ist die Welt nicht egal!

Alle die sich engagieren möchten etwas ändern. Zumindest ist das bei mir und meinen Bekannten so und auch was ich von Anderen in Interviews höre. Sie sehen Probleme und können nicht untätig bleiben. Denn, es ist ihnen nicht egal, was aus der Welt wird. Dir ist es bestimmt auch nicht egal, oder? Außerdem sind wir alle neugierig und haben den Wunsch unseren Nächsten zu helfen und mehr Toleranz und Gleichberechtigung zu schaffen.

Ich finde es äußerst wichtig und freue mich sehr, dass es viele aktive und umtriebige Jugendliche gibt. Ehrenamt vereinigt Gleichgesinnte. Sie werden stärker und ihr Engagement ist bemerkenswert in den Augen der Anderen.

Zusammen ist es leichter Ideen auszusprechen und über bestimmte Themen zu reden, die für andere leider noch fremd oder problematisch sind (zum Beispiel Feminismus und LGBTQ+). Man fühlt sich vor der Menschenmenge, die dich nicht immer versteht, nicht allein gelassen, verstanden und man unterstützt sich untereinander.


Anna mit ihren Freunden beim Ehrenamt

4. Meine Tipps für andere Mädchen und junge Frauen

Im Ehrenamt findest du neue Bekanntschaften, du gewinnst an Zufriedenheit und lernst, dass du eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielst. Dank dieser Initiativen bekommt man einen realistischen Blick auf die Welt. Außerdem siehst du die Vielfalt und Probleme. Du freust dich, weil es Lösungswege gibt und du selbst kannst etwas beitragen.

Weiterhin kannst du dein Ehrenamt nutzen, um dich weiterzubilden und um eine erfolgreiche Karriere zu gestalten. Ein Engagement bringt viele Vorteile, zum Beispiel kostenlose Zutritt zu verschiedenen Veranstaltungen. Du knüpfst nützliche Bekanntschaften und findest eventuell deine:n zukünftige:n Arbeitgeber:in. Du kannst vieles für dich persönlich mitnehmen.

Trau dich! Nimm tabuisierte Themen mehr in Fokus und verändere dein Denken und Handeln.

In der post-sowjetischen Kultur sitzt ein strenges Bild der Rolle der Frau noch tief in den Köpfen der älteren Menschen. Die Frau soll eine gute Mutter oder eine gute Hausfrau sein. Sichtweisen, die für die ältere Generation typisch waren, werden jetzt durch das ehrenamtliche Engagement jüngerer Frauen verändert.


Niemand kann sich besser für junge Frauen und Mädchen einsetzen als junge Frauen und Mädchen selbst. Glaubst du das auch?

Wir wissen selbst am besten welche Chancen und Probleme wir haben und haben selbst kreative Ideen und Lösungsansätze. Wenn du also nach einem Ehrenamt suchst, kannst du ganz einfach online recherchieren. Fast alle Initiativen haben ihre eigenen Webseiten oder Instagramkanäle und ihr könnt sie einfach dort kontaktieren. Wenn nicht, kannst du selbst etwas initiieren.


Engagierst du dich ehrenamtlich in Deutschland oder im Ausland? Wie sieht dein Engagement aus? Ich freue mich auf deine Rückmeldung in den Kommentaren. Liebe Grüße, Anna aus der intombi Redaktion.





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Wir sind intombi! Eine Mädchenorganisation aus Köln. Hier hast du die Möglichkeit dich digital und lokal als Ehrenamter*in zu engagieren. Bei uns kannst du beispielsweise bestehende Artikel in Englisch übersetzen. Du engagierst dich so für andere Mädchen und junge Frauen, in dem du deine Erfahrungen und Wissen teilst oder andere auf die Notwendigkeit Mädchen zu unterstützen, aufmerksam machst. Du willst uns supporten? Dann schau mal bei Instagram vorbei oder schreib uns eine E-Mail an: info@intombi.de

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