Meine Passion: Alaaf you (Teil 1 von 2)

Ich singe bei Pläsier für die Kölsche Lebensfreude


Fotos: Pläsier Band GbR, Isabelle Bentfeld, Vera Drewke, Jörg Dembinski

Eins ist in Köln nicht wegzudenken! Und als Kölner #girlsforgirls Blog widmen wir diese #PassionWeek dieser einen Sache! Unserer Lieblings-Jahreszeit – dem Karneval! Die Tage sind gezählt. Spätestens am 20. Februar steht hier in der Stadt alles Kopf. Wir möchten dich so richtig einstimmen und dir exklusive Einblicke in das Leben junger Kölnerinnen geben, die die fünfte Jahreszeit zu ihrer Passion gemacht haben.

Das erwartet dich in dieser 2-teiligen #PassionWeek: Den Auftakt macht Sabi, die von unserer Mädchenredaktion interviewt wurde. Sie ist Frontfrau der Kölner Band Pläsier, die du dir am besten ganz schnell merken solltest. Und da das eine ganz besondere Band ist, nämlich eine Kölsche Band, bekommst du von uns auch noch ein Kölsch Karneval 1×1 mit dazu. Am Mittwoch erfährst du im zweiten Teil, welche Rolle Tanzen beim Karneval spielt und wie du ein Teil davon sein kannst. Ausserdem stellen wir dir eine echte Karnevalsprinzessin vor.


Fotos: Pläsier Band GbR, Isabelle Bentfeld, Vera Drewke
Fotos: Pläsier Band GbR, Isabelle Bentfeld, Vera Drewke, Jörg Dembinski

Sabi von Pläsier – So ist es als Frontfrau einer Band

“Ich habe immer schon auf der Bühne stehen wollen, um zu singen. Mit 16 habe ich eine Aufnahmeprüfung für eine Musical Akademie in Hamburg gemacht und bestanden. Meine Eltern wollten jedoch, dass ich erst mal Abi mache, bevor ich einen solch unsicheren Weg einschlage. Insofern bin ich in meiner Heimatstadt Köln geblieben und das Singen wurde jahrelang eher als Hobby von mir ausgelebt. Ich war jedoch immer schon völlig Karnevals verrückt,” erzählt uns Sabi.

“Bekannte feierten ihre Hochzeit – natürlich auf Kölsch und fragten uns, ob wie dort covern kommen möchten. Dies nahmen wir an und als Überraschung kamen wir nicht nur zu dritt, sondern brachten drei Jungs mit. Dann spielten wir Coversongs und mischten drei eigene Songs unter. Parallel dazu coverten wir den Song ‚Saach jestern op Widdersinn‘ von Kasalla und stellten ihn ins Internet. Und somit begann der Erfolg von Pläsier. Die gebürtige Kölnerin Sabi (33 Jahre) nimmt uns mit auf die Entstehungsgeschichte ihrer Band und gibt uns einen Einblick in das Leben als Geschäftsführerin einer kölschen Musikband. Dabei hat der #girlsforgirls Gedanke für sie immer eine besondere Bedeutung, vor allem da der Kölner Karneval eine Männerdomäne ist.


Warum singen wir eigentlich nicht kölsch?!”

“Andere sparten auf Urlaube, ich auf Karnevalskostüme. Dass sich meine Leidenschaft zu singen und der Karneval irgendwann verschmelzen würden, hätte ich nie gedacht. Die Idee dazu kam auf einem Konzert von der Kölschen Band Kasalla. Dort war ich mit Julia und Eva. Julia kenne ich schon aus dem Kindergarten und wir haben bereits zu Schulzeiten zusammen gesungen. Eva ist Julias kleine Schwester (und 2. Teilhaberin von Pläsier). Wir drei sind gebürtige Kölnerinnen. Und dachten uns dann: warum singen wir eigentlich nicht kölsch?”



Ein Arbeitstag mit Sabi

Es gehört ja zum Musiker sein nicht nur Songs schreiben, Auftritte singen und Proben. Ich muss mich darum kümmern, uns sechs Musiker + unsere vier Techniker zu planen. Die sozialen Netzwerke müssen gefüttert werden, dazu braucht man Foto und Videomaterial, welches entsprechend aufbereitet werden muss. Pressearbeit muss erledigt werden. Die Buchhaltung ist viel Papierkram. Täglicher E-Mail-Verkehr und so weiter. Und ganz ‚nebenbei‘ schreibe ich dann neue Songs. Mein Antrieb ist aber ganz eindeutig das Publikum. Der Moment, wenn dich leuchtende Augen und strahlende Gesichter ansehen. Der Moment, wenn die ganze Halle springt, singt und klatscht. Und das zu den EIGENEN Songs! Das ist ein WAHNSINNSgefühl! 


Song von Pläsier – Ihrefeld Veedel vun Welt

Pläsier – ein Stück Kölsche Kultur

Was macht ein echtes kölsches Original aus? Ich glaube, dass wir Kölner eine ganz besondere Mentalität haben. Das habe ich auch immer schon im Urlaub zu hören bekommen, lange vor Pläsier. Und ich denke, dass Kölner durch ihren Dialekt ‚Kölsch‘ sehr viel davon tranportieren. Eine gewisse Leichtigkeit und Lebensfreude steckt irgendwie in den Kölner Genen. Natürlich gibt es immer weniger junge Menschen, die Kölsch sprechen bzw. verstehen. Aber ganz offensichtlich ist es wichtiger für den Zuhörer, welches Gefühl transportiert wird, als alles wortwörtlich zu verstehen. Ich selber bin gebürtige Kölnerin und kenne es nicht anders, als dass mein Vater eigentlich nur kölsch spricht. Von daher habe ich die kölsche Sprache mit der Muttermilch eingeflößt bekommen. Darum war ich bestimmt auch immer so ein Karnevalsjeck. Ich hoffe, dass die kölsche Musik den Dialekt am Leben erhält. Das haben wir uns zumindest mit auf die Fahne geschrieben.


Ich kann nur von dem singen, was mich beschäftigt oder berührt.

Sabi von Pläsier

Geht nicht? Dann erst recht!

Ich bin eine sehr aufgeschlossene, unängstliche, zielstrebige, (manchmal ZU) gewissenhafte Person mit der nötigen Portion Chaos und Kreativität. Genau so war es damals, als ich mit elf Jahren auf die Bühne hoch zu den Sängern geschaut habe. Ich war nie der ‚typische Fan‘, der ein Autogramm oder Foto wollte, sondern ich wollte mich austauschen mit Künstlern und lernen, um es irgendwann selber zu  können. Das zieht sich bis heute durch. Ich bringe mir ziemlich viel selber bei, werde scherzhaft ‚Informationssammler‘ von Menschen, die mir nahe stehen genannt. Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, bin ich nicht komplett. Ich kann aber auch nur von dem  singen, was mich beschäftigt oder berührt. Sonst kann ich nichts an das Publikum transportieren.

Wie aus der Quasselstrippe Sabi plötzlich ein Schweigemonster werden kann

Ich habe Adrenalin vor jedem Auftritt. Aber keine wirkliche Nervosität. Ich habe meine Band und mein Team vor Ort. Wir sind zu einer großen Familie zusammengewachsen. Da fühle ich mich sehr sicher. Ich fühle mich immer wie ein Rennpferd in seiner Box und warte, dass sie aufgeht, damit ich losrennen kann. Das Allergrößte ist natürlich, dass die Songs aus eigener Feder stammen. Keine Coversongs, sondern alles echte Erfahrungen und Gefühle. Wenn die Leute das dann auch noch gerne hören, ist es da Schönste, was man sich vorstellen kann.

Wenn ich dann doch nervös bin, durchlaufe ich so zu sagen eine Wesenswandlung 😀 Aus der Quasselstrippe Sabi wird plötzlich ein Schweigemonster. Ich gehe dann in mich. Habe kein Interesse man an Konversationen und tauche irgendwie in mich selbst ein, um zur Ruhe zu kommen. Ich werde dann extrem fokussiert, was auf Außenstehende eventuell arrogant wirkt, weil ich dann so in meiner Welt bin, dass ich dann links und rechts nichts mehr wahrnehme. Und es mir auch schon passiert ist, dass ich nicht mitbekommen habe, wenn ich gegrüßt wurde. 😀


Ein Auftritt vor 15.000 Menschen in der Lachenden Kölnarena

Die Lachende Kölnarena gehört zu meinen absoluten Highlights. Man muss sich mal vorstellen, eigentlich sind Arenen nur Weltstars vorbehalten. Oder eben Kölner Bands, durch Formate wie der lachenen Kölnarena. Aber wieviele Bands gibt es weltweit, die total froh sind, überhaupt mal irgendwo zu spielen? Hier in Köln hat man unglaublich viele Möglichkeiten, sich musikalisch zu präsentieren. Ob es kleine Clubs sind oder Kneipen. Dass man allerdings in einer Location wie der Lanxess Arena auf der Bühne stehen darf, vor etwa 15.000 Menschen, ist ein Geschenk. Ich habe jedes Mal einen riesen Respekt vor jedem einzelnen Auftritt dort. Da habe ich eine ganz andere Nervosität. Einfach aus Respekt vor dieser Bühne. Und wenn dann 15.000 Menschen zu deinem eigenen Song schunkeln… Das ist unglaublich! Ich hatte schon Tränen in den Augen und musste kräftig schlucken.


Sabi mitten in der Männerdomäne

Mit männlichen Kollegen hatte ich noch nie irgendwelche Probleme. Im Gegenteil, sie freuen sich eigentlich, dass auch mal Frauen selber Musik machen und Instrumente spielen. Nicht nur die Kölsche Musik, sondern der gesamte Kölner Karneval. Es ist kein Geheimnis, dass es Traditionscorps gibt, in welche Frauen nicht eintreten dürfen. Insofern hat man auch hinter den Kulissen viel mehr mit Männern, als mit Frauen zu tun.  Richtig ist auch, dass es mehr Männerbands gibt, als Frauenbands. Darüber denke ich auch viel nach. Es gibt viele verschiedene Meinungen dazu. Es gibt viele, die sagen, sie mögen einfach keine Frauenstimmen im Karneval.

Andere Theorien sind, dass Literaten (sie gestalten die Programmer der Sitzungen) natürlich die Säle voll bekommen müssen und dann namhafte Bands buchen. Da es da nun mal mehr Männer- als Frauenbands gibt, sind prozentual auch mehr Männer vertreten. Was auch mitspielt ist natürlich die Fanbase. Junge Mädchen finden sicherlich Männerbands interessanter, als Frauen. Da geht man eher mal zum Bandbus um Fotos zu machen, welche anschließend in den sozialen Medien landen und dort wiederum verbreitet werden.


Sabis #girlsforgirls Statement

Es liegt ein wenig in der Natur der Frau, eine andere Frau ZUNÄCHST als Konkurrentin zu empfinden. Jedes Mädel kennt den typischen Blick, wenn Frauen Frauen von oben bis unten mustern. 😀 Wenn man das mal ein wenig mehr aufbrechen könnte. Wenn Frauen mal offener wären gegenüber fremden Frauen. Wenn jede Frau mal selbstkritisch hinterfragen würde ‚Bin ich auch so?‘, dann wäre man vielleicht mal sensibler dafür. Ich selber habe irgendwann mal angefangen darauf zu achten und bin super aufgeschlossen zu anderen Mädels. Man ist doch viel stärker MITeinander als GEGENeinander, ” so Sabi.

Sabi singt jedoch nicht nur Kölsche Lieder. Dieses Jahr können wir uns auf ein neues Projekt – und zwar auf Hochdeutsch – der Sängerin freuen. Hier gibts einen kleinen Vorgeschmack.


Fotos: Pläsier Band GbR, Isabelle Bentfeld, Vera Drewke, Jörg Dembinski


Kölsche Karneval 1×1 – Wissen to go

Und damit du nun den Durchblick über die wichtigsten Daten und Worte im Kölner Karneval bekommst, haben wir hier für dich das Kölsche Karneval 1×1 – Wissen to go. Die Karnevalssession oder die „fünfte Jahreszeit“ wird offiziell an dem 11. November, um „Elf Uhr Elf“ eingeläutet. Von dann an finden unzählige Festlichkeiten, wie Karnevalssitzungen und -bällen bis zum Aschermittwoch statt.


Feiern an Karneval 2020 – Wann ist was an Karneval? Diese Tage solltest du dir merken

  • Am Donnerstag vor Aschermittwoch (20.02.2020), dem Tag der Weiberfastnacht, werden um 11:11 Uhr die Karnevalstage eröffnet. Von diesem Zeitpunkt an feiern die Jecken bei Tag und bei Nacht in den Kneipen und auf der Straße bis zum Abend des Karnevalsdienstags.
  • Am Karnevalssonntag (23.02.2020) finden die Kölner Schull- un Veedelszöch statt. Die besten Fuß- und Wagengruppen der Veedel werden dabei prämiert und dürfen am Rosenmontagszug teilnehmen.
  • Der offizielle Höhepunkt des Kölner Karnevals ist der am Rosenmontag (24.02.2020) stattfindende Rosenmontagszug.
  • In der Nacht zum Mittwoch (25.02.2020) ( wird in den Veedeln als Abschiedsbrauch die Nubbelverbrennung abgehalten. Der Nubbel ist eine Strohpuppe, die in vielen Kneipen aufgegangen wird und für die Sünden steht, die an Karneval begangen worden sind. Mit der Verbrennung dieser, werden auch alle Sünden aus der Welt geschafft. Am Aschermittwoch (26.02.2020) ist alles vorbei. (Kölner Karneval)

Karneval-Alphabet: Die wichtigsten Wörter op Kölsch

AlaafAlaaf ist das wichtigste Wort im Kölner Karneval und ein Hochruf auf die Stadt Köln.
BützjeEin gehauchter Kuss ohne rechte Berührung auf die Wange, nicht auf den Mund! Gebützt wird zum Dank für einen Orden in der Sitzung, für ein Strüßje beim Zug, für ein Kölsch oder einfach nur, weil der Nachbar in der Sitzung oder beim Kostümball so fröhlich und nett ist.
DooschDurst
D’r Zoch kütt Der erste Traktor mit dem wichtigen Hinweisschild. „D’r Zoch kütt!“ (der Zug kommt) läutet den Beginn des Karnevalszuges ein. Ab jetzt regnet es nur noch Kamelle und es wird viel Freude geschenkt.
Jeck(en)alberne, verrückte (liebevoll gemeint) Person
Kamelle, StrüßjerBonbons und (Blumen-)Sträußchen die beim Karnevalszug verteilt werden
PänzKinder 
PittermännchenKleines Fässchen Kölsch
VeedelStadtteil





Lass uns Karneval mit deinen Hits feiern !

Verrate uns deinen Lieblings-Karnevalshit in den Kommentaren und wir packen ihn auf unsere “intombi Karnevalshit 2020” Spotify-Playlist.




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Kommentare

  1. Kurt Wildemann um 10:09

    Das war eine sehr schönes Interview mit Sabi. Ich bin großer Fan von Pläsier und bin sehr beeindruckt wie die Gruppe sich dem kölschen Karneval hingibt. Sie haben mit ihren Texten schon sehe viel erreicht. Ich glaube fest daran das sie bald auch zu den (ganz) großen Gruppen im Kölner Karneval gehören. Ein großer Dank an die Gruppe Pläsier mit ihrer Frontfrau Sabi….

    • intombi Team um 10:12

      Lieber Kurt Wildemann,
      vielen Dank für Ihr tolles Feedback. Wir sind ganz Ihrer Meinung und freuen uns noch viel mehr von Pläsier und Sabi zu sehen und natürlich zu hören! 🙂
      Viele Grüße

  2. Kurt um 12:19

    Das lied “Glockeklang” wäre es wert auf die Liste zu kommen…. Für alle die nicht in Kölle sind und den Glockenklag vom Dom vermissen… 🙂

    • intombi Team um 12:37

      Das ist ein absolutes Gänsehaut-Lied!! Danke für den Vorschlag lieber Kurt 🙂

  3. Pingback: Karneval bedeutet Spaß! Mut! Ehrgeiz! Engagement! - intombi

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